Das Thema Schulentwicklungsplanung beschäftigt den Landkreis. In der Sitzung des Schulträgerausschusses wurde nunmehr die gesamte Schulentwicklungsplanung vorgestellt. Die Landtagsabgeordnete Nina Klinkel in der Vorsitzende der SPD Kreistagsfraktion Sebastian Hamann sehen dringlichen Diskussionsbedarf.
„Für uns bleibt es richtig: Wir brauchen im Landkreis mehr IGS-Plätze und eine Entlastung der Gymnasien“, so Klinkel und Hamann. „Wir legen dieser Feststellung die Zahlen der Schulentwicklungsplanung zugrunde, aber auch die Expertengespräche, beispielsweise mit den Schulleitern der weiterführenden Schulen des Landkreises, die wir geführt haben. Für uns ist zudem eines klar: Es darf nicht zum Stückwerk kommen. Die Lösungen, die gefunden werden müssen, legen den Grundstein für die Zukunftsentwicklung des Bildungslandkreises Mainz-Bingen“.
Neben dieser Grundsatzposition diskutierte der Ausschuss weitere Vorschläge, zu denen beide ebenfalls Stellung beziehen.
„Den Vorschlag, die Realschule plus am Scharlachberg zu einer IGS umzuwidmen, ist eine erste Diskussionsgrundlage“, erklärt Sebastian Hamann. „Diese Umwidmung ist aber lediglich eine lokale Lösung und kann nur teil eines umfassenderen Maßnahmenpaketes sein, wie im Laufe der Diskussion im Ausschuss auch klar geworden ist", zeigt sich Hamann überzeugt.
„Die Überlegung, IGSen von aktuell vier auf sechs Züge zu erweitern, können wir nicht unterstützen“, betont Nina Klinkel. „In Rheinland-Pfalz sind IGSen grundsätzlich als vierzügige Schulen konzipiert – sowohl pädagogisch als auch räumlich. Zwar gibt es landesweit wenige Ausnahmen, doch dort zeigt sich, dass die pädagogischen Konzepte einer IGS ab sechs Zügen deutlich schwerer umzusetzen sind. Das Problem zu großer Schulen lösen wir nicht, indem wir bestehende Schulen weiter aufblähen. Im Gegenteil: Wir würden funktionierende Schulkonzepte und gewachsene Schulgemeinschaften damit spürbar schwächen. Die IGS in Nieder-Olm, die man hier offenbar in den Fokus nimmt, macht sich zudem auf den Weg eine „Schule der Zukunft“ zu werden und diese wertvolle Arbeit wollen wir unterstützen und nicht hemmen“, so Klinkel.
„Der Vorschlag, die Kreisgrenzen zu schließen, sodass keine Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis Alzey-Worms mehr nach Mainz-Bingen wechseln können, greift aus unserer Sicht zu kurz“, erläutern Klinkel und Hamann. „Zwar wechseln in der fünften Klasse mehr Kinder aus Alzey-Worms in unseren Landkreis als umgekehrt. In den höheren Klassenstufen kehrt sich dieser Trend jedoch wieder um, wenn Schülerinnen und Schüler vom Nieder-Olmer Gymnasium auf Realschulen plus in Wörrstadt wechseln.“
„Und es gilt zudem: Der Blick darf nicht an der Kreisgrenze zu Alzey-Worms enden. Die Zahlen zeigen deutlich, dass erheblich mehr Kinder aus Mainz-Bingen eine Schule in der Stadt Mainz besuchen als umgekehrt. Würde Mainz aus denselben Gründen seine Grenzen schließen, stünden wir wieder vor dem gleichen Problem – nur verschärft.“
„Ausdrücklich begrüßen möchte ich den Vorstoß des Landrates, bei der Schulentwicklungsplanung endlich mit benachbarten Gebietskörperschaften ins Gespräch zu kommen. Auch wenn eine regional gedachte Schulentwicklungsplanung weiterhin ausgeschlossen wurde, ist die begonnene Kooperation ein erster richtiger Schritt zur gemeinsamen, regionalen Schulentwicklungsplanung, die ich seit einigen Jahren bereits fordere. Dieser eingeschlagene Weg muss fortgeführt werden", sagt Klinkel.
„Die heutige Diskussion im Schulträgerausschuss macht vor allem eines klar: Es besteht weiterhin großer Beratungsbedarf. Auch wenn die Zeit drängt, braucht diese Entscheidung Weitsicht – sie wird die Bildungslandschaft in unserem Landkreis über Jahrzehnte prägen“, so Klinkel und Hamann abschließend.
